Würde. Glauben. Geben.

Eine kleine selbst hergestellte Holztafel mit der Aufschrift “Würde unantastbar” liegt auf den zahlreichen Sitzgelegenheiten für die Gottesdienstbesucher der Gemeinde Maria Königin auf dem Bergfeld in Mosbach, zur Begrüßung bereit. Erstellt wurden sie mit den Projektmaterialien des Verleihangebotes von Kraichtal hilft.

Würde. Glauben. Geben.

Ein Hofgottesdienst, der Spuren hinterlässt Ein mobiler Holzaltar, eine schattenspendende Eiche, ein großer Garten, ein Sonntag im August. Beste Voraussetzungen für einen Hofgottesdienst, ein fest eingeplanter Programmpunkt im Jahresablauf der Gemeinde Maria Königin auf dem Bergfeld in Mosbach. In diesem Jahr verwandelt sich die Hofstelle von Familie Wolf in einen königlichen Kirchengarten. Trotz Hitzewarnung folgen nahezu 150 Menschen der Einladung zum mittlerweile 6. Open-Air Hofgottesdienst.

Vom 4. bis 15. August steht eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft im Zentrum der kleinen Gemeinde Maria Königin: die Würde des Menschen. Wieviel Würde kommt einem Menschen zu? Von sich, von Gott, von anderen? Diese Frage beschäftigt Diakon und Bildhauer Ralf Knoblauch aus Bonn seit vielen Jahren. Seine einfachen selbst geschnitzten Königsskulpturen aus alten Eichenholzbalken helfen dabei, sich diesen Fragen zu nähern. Der Diakon versteht seine Figuren weniger als Kunstwerke, mehr als Botschafter mit einem zutiefst christlichen und politischen Statement. Auf allen Kontinenten in beinahe 40 Ländern fordern mittlerweile 1600 Königsfiguren Achtung und Respekt für jeden Menschen ein. Manche bleiben dauerhaft in Krankenhäusern, Hospizen, Gefängnissen, Kriegsgebieten, Flüchtlingslagern und in der Seenotrettung. Würde, unantastbar, ein brennendes Thema unserer Zeit.

„Dieses Projekt liegt uns am Herzen“, äußert das Ehepaar Wolf voller Begeisterung. „Der Auslöser war ein Geburtstagsgeschenk für uns beide. Es war ein großes Anliegen unseres Gemeindeteams, dieses Projekt voranzubringen. Unser aller Ehrgeiz war Motivation für ein wirksames Gelingen.“ Mit diesem Ziel reisen 11 der weltweit bekannten hölzernen Würdekönige für 14 Tage auf das Bergfeld in die Gemeinde Maria Königin. Eine Woche begleiten sie den Alltag der Gemeindeteam-Familien. Ihre königliche Mission fordert einen straffen Zeitplan, sind sie doch an vielen Orten in und um Mosbach unterwegs. Eine Ausstellung in der darauffolgenden Woche lockt zahlreiche Interessierte in die Kirche Maria Königin. Berühren, Umhertragen, auf sich wirken lassen. Ein Wunsch, den das Gemeindeteam für alle kleinen und großen Besucher ganz im Sinne von Diakon Ralf Knoblauch ausgesprochen hat.

Höhepunkt dieser beiden Würdewochen war zweifelsohne der Hofgottesdienst bei Familie Wolf. Die musikalische Gestaltung trägt der Singkreis Bergfeld in bewährter mitreißender Weise. Ein außergewöhnlicher Gottesdienst unter Leitung von Diakon Andreas Wolf und seiner Frau rückt die Unantastbarkeit des Menschen in den Fokus. Die Ansprache spannt einen weiten Bogen über Jahrtausende hinweg von der Schöpfungsgeschichte in der Genesis, die allen Menschen Gottes Ebenbildlichkeit zusagt. In Jesus wird die Würde aus dem Gesetzesbuch auf die Straße gebracht. Er gibt durch sein Leben den Geringsten in der Rangordnung unserer Welt Hoffnung und Perspektive. Ein großer zeitlicher Sprung führt in das Jahr 1949. Nach den Entmenschlichungen von Abermillionen Menschen im Nationalsozialismus wird in unserem Grundgesetz ein unanfechtbarer Satz an den Anfang gesetzt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das ist kein frommer Wunsch. Das ist das rechtliche Fundament unserer Demokratie. Das Fundament, auf dem all unsere Freiheit ruht. Menschenwürde im Alltag ist kein kompliziertes theologisches System. Sie ist ganz einfach, ganz praktisch: ein wacher Blick, ein offenes Ohr, ein freundliches Wort. Würde, unantastbar im Gesetz, vor Gott und auf den Straßen unseres Lebens. Ein Auftrag, der uns alle angeht.

Diakon Wolf lüftet zum Schluss ein kleines Geheimnis. „99,9 % in der Vorbereitung des Gottesdienstes liegen heute bei meiner lieben Frau Petra“, erklärt er zum Schluss, sichtlich berührt. Frauen eine Stimme in ihren Berufungen und Begabungen zu geben, ist für ihn ein großer persönlicher Wunsch und ein Wunsch für seine Kirche. Bereichert durch neue Eindrücke verweilen einige Mitfeiernde noch eine Zeitlang im kühlen Schatten der großen Eiche im Bergfeld und lassen die im Garten verteilten Königsskulpturen auf sich wirken.

Bericht von Petra Wolf